Auswandern nach Portugal und zurück Teil 2

Auswandern nach Portugal und zurück Teil 2

26. Mai 2022 0 Von Christoph Budde

Eigentlich könnte man meinen, dass hier meine Geschichte bezüglich auswandern nun vorbei ist, aber…

In den ersten Tagen und Wochen wechselte ich regelmäßig hier in Bayern meinen Standort. So stand ich unter anderem 10 Tage in Halblech. Claudia holte mich täglich ab und wir unternahmen sehr viel. Tolle Plätze zeigte Claudia mir, ob Forggensee, Plansee, Lech Stausee, Füssen, Murnau und oder auch schöne Plätze in der Natur. Manchmal kam ich an meine Grenzen, denn der Sportlichste war ich halt nie. Einmal gingen wir spazieren an der Schnalz. Mitten im Wald gab es einen Weg mit 400 Stufen um auf das Plato der Schnalz zu gelangen. Ich dachte dass ich das problemlos schaffen würde, aber 3x musste ich pausieren. Meine Raucherlunge machte sich bemerkbar. Es war so anstrengend und ich war ein wenig stolz, als ich endlich oben war.

Die Wochen und Monate vergingen. Mein Auto war immer noch in Portugal. Ich hatte es einer Bekannten, welche ich in Portugal kennengelernt hatte, geliehen. Als ihr Anruf kam, dass sie überraschend nach Deutschland zurück müsse, ahnte ich, dass ich irgendwie nach Portugal zurück musste um mein Auto zu holen. Sie machte mir den Vorschlag, dass ich in ihrem Apartment für ein paar Tage wohnen könnte; und so beschloss ich im August erneut nach Portugal zu fliegen.

Die Maschine war fast voll besetzt. Das Schlimmste in dem ca. 3,5 Stunden dauernden Flug war das ständige Maske tragen. Ich hatte von Deutschland aus schon organisiert, dass man mich am Flughafen in Faro abholt. Im strömenden Regen bei 15 Grad bin ich von Memmingen weggeflogen und kam bei 27 Grad Sonne pur in Faro an. Noch am Flughafen wechselte ich meine Kleidung und ließ mich zu dem Apartment nach Albufeira bringen. Dort stand im abgeschlossenen Bereich auch mein Auto. Der Schlüssel lag wie vereinbart auf dem vorderen Reifen, dennoch hatte ich vorsichtshalber meinen Reserveschlüssel dabei, denn was wäre gewesen….

Ich öffnete das Apartment (Schlüssel lag in meinem Handschuhfach) und staunte nicht schlecht. Knapp 60 Quadratmeter, 2 Zimmer, ein großes Bad und ein Balkon Südseite. Hier wollte ich zumindest 2 Tage bleiben. Ich duschte, zog mich erneut um und rief ein paar Freunde an. Den Abend verbrachte ich dann mit einem Freund in Albufeira. Albufeira ist die Partystadt im Süden von Portugal. Die Menschen drängten sich durch die Straßen, in den Cafés und Restaurants. Im Gegensatz zu Deutschland trug kaum jemand eine Maske. Es wurde sehr spät, besser gesagt recht früh und ich schlief nur ein paar Stunden, denn am folgenden Tag traf ich weitere gute Bekannte. Für mich war es wie „nach Hause kommen“. Ich machte noch einen Ausflug mit meinem Cabrio, ging mehrfach gut essen und dann traf ich Vincent.

Vincent, ein ehemaliger französischer Politiker mit dem ich für ca. 4 Monate auf dem gleichen Campingplatz gelebt hatte. Er sprach Französisch, Englisch, ein wenig Deutsch und lernte jeden Tag 2 Stunden Portugiesisch. Vincent hat in seinem Leben nie aufgegeben. Vor gut 10 Jahren hatte er einen schweren Autounfall bei dem sein Auto in Flammen aufging.. Sein linkes Bein ist mit Narben übersäht und der rechte Arm musste amputiert werden. Erstaunlich, was man alles mit einem Arm machen kann. Vincent lebt seit 3 Jahren in seinem etwas umgebauten Wohnmobil. Als ich dieses Wohnmobil das erste mal betreten habe, dachte ich das ist wie eine Präsidentensuite oder je nach Beleuchtung ein Puff. Jedenfalls hatten wir oft schöne Tage und Abende am Lagerfeuer mit Bier und Joints. Das Cannabis benötigt Vincent gegen seine Schmerzen. In Portugal darf man legal pro Person 25 Gramm Cannabis besitzen.

Vincent hatte ein ähnliches Problem wie ich. Sein Auto stand noch in Frankreich. So beschlossen wir, dass ich Vincent auf dem Rückweg mitnehmen würde um sein Auto zu holen. Wir planten unsere Abreise aus Portugal für den 31.08.2020 um 18 Uhr. Was nun kommen sollte, werde ich aus verschiedenen Gründen sicher niemals vergessen.

Pünktlich um 18 Uhr holte ich Vincent an seinem Camper ab. Er hatte schon einige Bier und 1 Joint intus. Dementsprechend konnte ich gefühlt alle 10 Kilometer anhalten, da er pinkeln musste. Aufgrund des Joints war es für Vincent nicht immer leicht zum Auto zurück zu finden. Ich fuhr die ganze Nacht hindurch. Unser Ziel lag rund 100 Kilometer nördlich von Bordeaux. In Spanien, kurz vor der französischen Grenze deckten wir uns noch mit Zigaretten ein, denn vor 2 Jahren lag der Zigarettenpreis in Frankreich bei 10 Euro pro Packung.

Kaum waren wir in Frankreich passierte es. In einem der zahlreichen Kreisverkehre platzte mir plötzlich der rechte Vorderreifen und ich musste anhalten. In dem Moment fiel mir die Autobahn in Spanien wieder ein, die ich eine Stunde zuvor noch mit 160 Stundenkilometern befahren hatte. Was für ein Glück, dass diese Panne an einem Kreisverkehr passierte. Ich rief in Deutschland den ADAC an und ließ mich mit den französischen ADAC Mitarbeiter verbinden. Nach gut 45 Minuten kam der Abschleppwagen und brachte uns in eine nahe gelegene Werkstatt. Dort war man sehr unfreundlich und ließ mich wissen, dass man mir nicht weiterhelfen könne. In Frankreich ist es wohl üblich, dass man auf neue Autoreifen bis zu vier Tagen warten muss. Meine Verzweiflung war groß. Vincent hatte in der Zwischenzeit diverse andere Reifenhändler kontaktiert. Gut das er dabei war, denn mein Französisch ist so gut wie gar nicht mehr vorhanden (es hat sich spätestens da gerecht, dass ich in der Schule nicht aufgepasst habe).

In 2 Kilometer Entfernung gab es eine Autowerkstatt die 2 Reifen dieser Größe zufällig da haben, sagte Vincent. Wie bitte sollte ich aber da hinkommen? Nochmals ADAC anrufen bringt nichts, denn schon beim ersten mal hätte man ja klären können, ob die angefahrene Werkstatt überhaupt passende Reifen vorrätig hat. In der anderen Autowerkstatt gab man mir den Tipp ganz langsam, höchstens mit 10 Stundenkilometer zu fahren, dann würde das mit dem kaputten Reifen und der Felge schon gehen. Ich gab die Adresse in mein Navi ein und fing plötzlich ganz massiv an zu schwitzen, denn wir waren in einer größeren Stadt (etwas wie Stuttgart). Dementsprechend viel Verkehr und ich mit 10 Stundenkilometer. Die Fahrt dauerte ewig, aber wir kamen heil an. 1 Stunde später waren die beiden Vorderreifen gewechselt und der Werkstattmeister ließ mich dank Übersetzung von Vincent wissen, dass er mich eigentlich gar nicht weiterfahren lassen darf, da auch die beiden hinteren Reifen fast durch währen. Was hatte meine Bekannte mit dem Auto gemacht? Ist sie Rallye gefahren? Nein, ich habe sie darauf nie angesprochen! Vincent fragte den Werkstattleiter ob er herausbekommen könne, welche Filiale denn noch 2 weitere Reifen dieses Typs da hätten und er wurde fündig in Bordeaux. Mit der Maßnahme, dass ich dort für den folgenden Tag einen Termin machte, ließ er mich dann fahren. Die Erleichterung war groß. Eigentlich war geplant, dass wir gegen 15 Uhr bei Vincents Freundin (gute Bekannte) ankommen würden, zumal Vincent ihr zum Geburtstag gratulieren wollte. Gegen 20 Uhr, völlig übermüdet, trafen wir endlich ein. Ich sah mich plötzlich umringt von Franzosen und verstand kein Wort. Es gab richtig leckeres Essen, Bier und Wein. Gegen 22 Uhr gingen wir endlich schlafen. Für diese Nacht sollte ich mir ein Zimmer mit Vincent teilen. Ich schlief in meiner Unterwäsche im Ehebett. Vincent zog sich komplett aus und legte sich in die andere Betthälfte. Gegen 3 Uhr wurde ich durch Pupsen (Furzen) wach. Vincent schmetterte unentwegt. Es war nicht auszuhalten! Ich beschloss mich anzuziehen und zu fahren, denn Vincent war an seinem Ziel. Während ich mich anzog wurde Vincent wach. Ich erklärte ihm die Situation, welche er ganz lustig empfand. Mir jedoch war spei übel. Gegen 4 Uhr fuhr ich dann, ohne mich von den anderen verabschieden zu können, weiter Richtung Bordeaux. Das heißt, ich fuhr rund 100 Kilometer wieder Richtung Süden, aber da ich einen Termin zum Reifenwechseln hatte, blieb mir nichts anderes übrig.

In der Werkstatt hieß es, dass es rund 1 Stunde Zeit dauern würde und man empfahl mir die Bäckerei schräg gegenüber. Ich trank einen Cappuccino und aß das wohl beste Croissant meines Lebens. Mein Auto war fertig. Endlich konnte ich weiterfahren in Richtung Deutschland.

Nein, ich fuhr nicht direkt nach Bayern um meinen Schatz wieder zu sehen, sondern machte noch einen Abstecher über Nordrhein Westfalen um Freunde zu besuchen. Es gab natürlich reichlich zu erzählen und so wurde es wieder spät.

Die Fahrt nach Bayern verlief dann ohne weitere Zwischenfälle.

Die Sehnsucht nach Portugal ist immer noch da. Ich hoffe, dass ich zeitnah meinem Sonnenschein dieses wunderschöne Land einmal zeigen kann. Für mich wird Portugal immer ein Stück Heimat bleiben.