Auswandern nach Portugal – und zurück Teil 1

Auswandern nach Portugal – und zurück Teil 1

11. Mai 2022 0 Von Christoph Budde

Meine persönliche Geschichte!

Als man mir im Jahre 2018, nach langem Kampf mit der Rentenversicherung, endlich die Erwerbsminderungsrente genehmigte, begann mein Abenteuer. Für mich stand damals fest, dass ich nach Portugal auswandern wollte.

In den folgenden Monaten verkaufte ich fast meinen gesamten Besitz, kaufte mir ein altes Wohnmobil und meldete mich in Deutschland ab. Seitdem steht in meinem Personalausweis „keine Wohnung in Deutschland“. Vorweg gesagt, diesen Status habe ich trotz Rückkehr nach Deutschland noch nicht wieder geändert.

Bei dem Wohnmobil habe ich leider keinen Fachmann beim Kauf hinzugezogen. Im Nachhinein stellte sich dann heraus, dass das Wohnmobil hinter den Verkleidungen komplett nass war. Eine Fachwerkstatt wollte zur Behebung des Schadens rund 10.000 Euro haben. Da mir das ein wenig zu viel erschien, suchte ich über die sozialen Medien, in dem Fall Facebook nach Hilfe. Wie der Zufall es wollte, wohnte jemand ganz in der Nähe. Er reparierte mir mein Wohnmobil (damals schon 29 Jahre alt) für 2.400 Euro. Als das Wohnmobil fertig war, stellte er es vor seine Haustüre, so dass ich es am folgenden Tag abholen konnte. Jedoch gab es in der Nacht einen heftigen Sturm. Ein Dachziegel löste sich und fiel auf mein Wohnmobil und zerschlug das Dach. Dank Teilkasko Versicherung wurde der Schaden mit 2.800 Euro abgerechnet und das Wohnmobil für 400 Euro repariert. Glück im Unglück. So hatte mich die gesamte Reparatur nichts gekostet.

Es verging dann doch fast 1 Jahr, ehe ich am 1.11.2019 endlich Richtung Portugal startete. Alles war plötzlich anders. Lediglich meine kleiner Happy Henry (Cavalier King Charles) begleitete mich. Von Deutschland aus hatte ich schon einen Naturcampingplatz für 4 Monate gebucht. Die Fahrt nach Portugal dauerte 12 Tage. Es gab jede Menge Zwischenstopps. Sei es in Frankreich an der Südküste, sei es in Katalonien oder auch Gibraltar. Es war herrlich, zumal seit Frankreich das Wetter auch immer besser wurde. Als ich in Portugal (Almancil) ankam, waren es 23 Grad und das im November. Der Campingplatz war einfach, für 10 Wohnmobile ausgelegt, aber alles nur Natur. In den folgenden Monaten lernte ich viele nette Menschen kennen und lernte das Land zu lieben.

Am 14.2.2020, von Corona war in Portugal noch nicht viel zu hören, bekam ich sehr starke Schmerzen. Im Krankenhaus riet man mir umgehend nach Deutschland zu fliegen um mich dort operieren zu lassen. Ich hatte einen Nierenstein und kann mich nicht daran erinnern jemals solch heftige Schmerzen gehabt zu haben. Am 15.2.2020 flog ich von Faro nach Düsseldorf und dort direkt in die Uniklinik. Ich kam um 23 Uhr ca. an. Um 23.45 Uhr wurde ich schon operiert. 3 Tage später fuhr ich mit dem Taxi nach Bergisch Gladbach um meinen PKW abzuholen, welchen ich dort untergestellt hatte. Am 20.2.2020 war ich zurück auf dem Campingplatz. 2530 Kilometer in 27 Stunden. Danach habe ich erst einmal ausgiebig geschlafen.

Die Tage vergingen wie im Flug. Abends saßen wir am Lagerfeuer, unterhielten uns zumeist auf englisch, denn neben Deutschen, Engländern, Spaniern, Norwegern waren auch ein paar Franzosen anwesend. Tagsüber kochte dann meist einer (meistens ich) für alle und wir gingen mit unseren Hunden spazieren. Es war der 18.03.2020 der mein Leben zum zweiten Mal in kurzer Zeit auf den Kopf stelle, aber dabei sollte es nicht bleiben. Zu fünft gingen wir unsere Mittags-Gassirunde. Als wir zurück auf dem Campingplatz waren, ich mir gerade einen frischen Kaffee gemacht hatte, sagte ein befreundeter Camper zu mir: Gucke mal, dein Happy Henry torkelt und läuft Schlangenlinien. Ohne lange zu überlegen schnappte ich mir meinen Hund und fuhr zum nächsten Tierarzt. Ich konnte ihn dort nur abgeben. Deshalb fuhr ich zurück zum Platz. Die Zeit verging überhaupt nicht. Um 18 Uhr hatten wir bereits das Lagerfeuer schon angemacht, als mein Telefon klingelte. Happy Henry ist tot. Dieser Satz schlug ein wie eine Bombe. Tränen, Flüche und ein Weglaufen waren die ersten Dinge die ich tat. Es schmerzte so sehr und plötzlich war auch der Tod meiner lieben Frau (verstarb 2009) wieder präsent. Diese Nacht war das Grauen für mich.

Am nächsten Morgen bekamen wir alle die Mitteilung, dass wir ab sofort zum Einkaufen eine Maske tragen müssen. Corona war angekommen. Unter unseren Campern war zu diesem Zeitpunkt auch ein Schweizer. Er hatte in den letzten Tagen schon den Lockdown in Spanien und Frankreich am Fernseher verfolgt. Er hatte Panik und wollte am nächsten Tag direkt aufbrechen zurück in die Schweiz. Seine Angst vor der Grenze war nicht in Worte zu fassen und so fragte er am Lagerfeuer, ob ich ihn nicht begleiten könne. Sein Argument das ich so aus der Situation heraus kommen könne war perfekt. Ich entschied mich also, mein Hab und Gut in Portugal zu lassen um einem anderen Camper zu helfen. Insgeheim dachte ich nur, prima ein neues Abenteuer. Ein anderer Camper musste zurück nach Deutschland und so beschlossen wir, bis Spanien gemeinsam zu fahren in zwei Wohnmobilen. Am kommenden Morgen ging es los. Wie ich zurück kommen würde war mir zu diesem Zeitpunkt nicht klar, aber ich wusste, ich möchte hier helfen.

Die Grenze nach Spanien kam immer näher und der Schweizer, bei dem ich mitfuhr, wurde sichtlich immer nervöser. An der Grenze mussten wir ein paar Formulare ausfüllen, was ich übernahm, denn der Schweizer Camper war dazu nicht in der Lage. Alles ging gut und wir fuhren weiter nach Spanien rein. Plötzlich sagte mir der Schweizer: Ach das war ja gar nicht so wild“ und während der gesamten Fahrt wurden diese Bemerkungen immer heftiger. Abends standen wir mit dem anderen Camper auf einem Stellplatz. Überall war es still, kein Auto oder Zug war zu hören. Kein Mensch auf der Straße. Der Schweizer fing einen Streit an mit dem Hintergrund er könne das auch alleine. Mir war plötzlich heiß und kalt zugleich. Einer in die Schweiz, der andere Richtung Deutschland und ich sah mich verloren auf diesem Stellplatz. Minuten vergingen wie Stunden. Dann bot der Deutsche mir an, mich in seinem Wohnmobil mitzunehmen nach Deutschland. Er sagte ihm sei egal wo ich in Deutschland hin wolle, er würde mich dort hinbringen. MEINE RETTUNG!!! Die nächsten 3 Tage verbrachte ich dann mit dem deutschen Camper in seinem Wohnmobil. Er hatte den Beifahrersitz ausgebaut und dort ein großes Hundekörbchen installiert, so dass ich nachts halb auf der Bank und halb im Hundekörbchen schlafen musste. Dennoch es war irgendwie lustig. Über meinen WhatsApp Status versuchte ich eine Bleibe zu finden. Meine Schwester war zu diesem Zeitpunkt in Thailand und hatte ihre eigenen Probleme nach Deutschland zurück zu kommen, meine so genannten Freunde hatten alle Angst wegen Corona. Die Fahrt durch Frankreich brachte dann ein Gänsehaut Feeling. 45 Minuten Autobahn weder ein Auto das einen überholte, noch in Front zu sehen war und auch die Gegenfahrbahn völlig leer. Tankstellen waren fast alle geschlossen. Fast mit dem letzten Tropfen Benzin fanden wir eine Tankstelle. Gefühlschaos pur!

Eine gute Bekannte aus Duisburg sagte mir dann, dass ich gerne ein paar Tage bei ihr bleiben könne. Ich war so dankbar, dass ich es sogar hinnahm in FC Bayern Bettwäsche zu schlafen. Jeden Tag suchte ich nach einem Flug zurück in mein kleines Paradies Portugal. Endlich fand ich einen Flug. Am Flughafen war es gespenstisch. Kaum ein Mensch zu sehen, alle Geschäfte geschlossen. Mit 7 weiteren Personen flog ich dann zurück nach Portugal, wo man mich freundlicher Weise am Flughafen abholte.

War das genug Abenteuer? Nein, jetzt ging es doch erst richtig los!

Im Februar 2020 hatte ich in einer Singlegruppe bei Facebook eine Anzeige online gestellt, dass ich eine neue Partnerin suchen würde. Es meldeten sich einige Frauen aus Portugal und Deutschland, aber es sollte nicht sein. Am 26.04.2020 erhielt ich eine neue Zuschrift auf meine Anzeige. Die Dame schrieb so, als ob ich selbst geschrieben hätte. Sie erzählte mir, dass sie in einer anderen Facebook Gruppe die Frage gelesen hatte: Wo möchtest du jetzt gerade am liebsten sein? Ich hatte darauf geantwortet, dass ich schon genau da bin, nämlich in meinem kleinen Paradies. Die Antwort hatte die Frau neugierig gemacht und so hat sie sich mein Profil angesehen. Wir schrieben in den folgenden Tagen und Wochen mehrfach täglich, telefonierten manchmal schon morgens um 5 Uhr. Das Knistern konnte man in der Leitung hören. Ich beschloss für mich diese Frau kennenlernen zu wollen. Am Lagerfeuer erzählte ich den anderen Campern davon. Der eine sagte ich würde spinnen, ein anderer riet mir dazu und ich war mir sicher die willst du kennenlernen. Meine Idee war, sollte es nicht passen, fahre ich weiter über Polen, Kroatien, Italien und wieder zurück als neues Abenteuer. Am 17.05.2020 fuhr ich dann in Richtung Deutschland mit meinem Wohnmobil. Mein Auto habe ich verliehen auf unbestimmte Zeit, aber das Kribbeln im Bauch wuchs mit jedem Meter, den ich näher nach Deutschland kam. 5 Tage benötigte ich für die Fahrt.

23.05.2020 Der Tag der mein Leben verändert hat. An diesem Tag traf ich besagte Frau das erste Mal. In den nächsten Tagen und Wochen holte sie mich fast täglich an meinem Wohnmobil ab. Wir machten Ausflüge, Picknick, Spaziergänge und so viel mehr. Ich lernte die Schönheit von Bayern kennen. Dann durfte ich bei ihr im Gästezimmer schlafen und nun leben wir zusammen hier in Bayern. Diese Frau macht mich bis heute (am 23.5. sind es 2 Jahre) glücklich.

Danke Claudia Köpf dass wir uns so begegnet sind.

Ohne diese Geschichte wäre ich heute noch in Portugal. So sitze ich hier am Computer, schreibe für euch auf unserer Webseite Zusammenstehen und bin dankbar für diese Lebensgeschichte.

Chris Budde