Deflation vs. Inflation

Deflation vs. Inflation

6. Juli 2022 0 Von zusammen Verein

[von Marco Kubica]

Die Aufgabe der Zentralbank ist dafür zu sorgen, dass die Inflation des Geldes immer bei ca. 2% im Jahr bleibt. So habe ich es als Kind schon von meinen Eltern gehört. Die Zentralbank sorgt dafür, dass alles ‚Gut‘ ist. Nun waren meine Eltern wahrlich alles andere als ausgewiesene Ökonomieexperten. Deswegen wurde auch immer das Lied gesungen, Deflation wäre schlecht, weil dann kauft ja niemand mehr etwas.

Als Kind habe ich mich mit dieser ‚Erklärung‘ zufrieden gegeben. Wie sollte ich es auch besser wissen (auch wenn mir mein Bauchgefühl etwas anderes gesagt hat). Doch nur weil die Deflation angeblich schlecht für uns alle wäre, heißt das ja noch lange nicht, dass Inflation deshalb gut für uns wäre. Dass die Geldmenge nicht steigt, heißt ja nicht zwangsläufig, dass sie sinken muss. Sie könnte ja auch gleich bleiben. Oder sich eine Geldmenge (oder besser: die Wahl des Geldes)  einfach durch Angebot und Nachfrage, der urdemokratischsten und naturgegebenen individuellen Entscheidung, ergeben. Auch bei mir hat es bis vor einigen Jahren gedauert, bis ich mal den Betrug des Finanzsystems (nicht verwechseln mit dem Wirtschaftssystem) erkannt habe.

Inflation bedeutet, dass die Zentralbank die Menge des Gutes Geld bestimmt, sprich vermehrt. Aus dem Nichts. Einfach so, weil schlaue Banker eine Glaskugel haben und Planwirtschaft betreiben. Sorry, natürlich weil Sie wissen was gut für uns ist. Doch 2%  Inflation (im Schnitt) bedeutet eben, dass ich von Jahr zu Jahr Waren und Dienstleistungen im Wert von 2% weniger kaufen kann. Nicht linear in allen Diensten und Gütern, aber prinzipiell. In 10 Jahren sind es so nur noch 8.170 € Kaufkraft, die mir für die Waren und Dienstleistungen verbleiben. Aktuell haben wir (offiziell) fast 8% Inflation. Wobei der offizielle Teil eh zu vernachlässigen ist. Jeder hat seinen eigenen Warenkorb und da sind die Preise vermutlich deutlich höher. Nur mal so zur Info. Bei 10 Jahren und einer durchschnittlichen Inflation von 7% bedeutet das, dass aus 10.000€ nach diesen 10 Jahren nur noch eine Kaufkraft von 4840€ besteht! Das ist Raub durch die Zentralbank. Denn wie man sieht, hält sich die Zentralbank nicht an die Versprechen mit den 2%. Und auch das ist bereits Raub.

Im Gegensatz dazu stünde (theoretisch) die Deflation. Hier steigt die Geldmenge nicht an. Und wenn ein Tisch 100€ kostet und in einem inflationären System die Preise steigen (nach 10 Jahren bei 2% auf 120€) so wäre es zumindest in der Theorie eher so, dass die Preise fallen. Nicht, weil sich die Geldmenge verringert und Geld damit mehr Wert ist, sondern weil z.B. technische Novationen etc. die Produktion günstiger machen. So, und nun kommt dieses Argument seitens derer, aus meiner Sicht unbegründeten Angstmacherei daher. Wenn also der Tisch tendenziell günstiger wird, dann kaufen die Leute keine Tische (oder andere Waren) mehr, da sie ja heute im Vergleich zu nächster Woche bereits zu viel gezahlt haben könnten. Also warten sie, weil sie dann weniger ausgeben müssten. Doch ist das wirklich so? Wenn Sie heute Hunger haben, warten Sie dann eine Woche, bis Sie sich Lebensmittel kaufen, nur weil es möglicherweise günstiger sein könnte? Oder Sie haben einen Autounfall und benötigen ein neues Fahrzeug. Warten Sie dann 3 Jahre, weil es dann günstiger sein könnte? Natürlich ebenso nicht. Denn Sie brauchen ja Ihr Fahrzeug. Bei Dingen, die nicht notwendig sind, da überlegen Sie möglicherweise, ob Sie sie jetzt anschaffen oder später. Aber das machen ja alle. Und irgendwann schlagen Sie dann doch zu. Ob nun günstiger oder nicht. Das erklärt sich eben aus dem Grenznutzen jedes einzelnen Individuums. Und auch das machen alle. Also auch dann rollieren die Käufe und Anschaffungen. Und es hat keinen nennenswerten Einfluss auf Ihren Konsum. Dass diese Überlegungen richtig sind erkennen Sie übrigens daran, wenn Sie daran denken, wann Sie das letzte mal einen neuen PC oder Handy gekauft haben. Manche machen es sofort, obwohl Sie wissen, dass die Preise mit der Zeit sinken. Und zwar seit Jahren. Und oft wird gleichzeitig sogar die Qualität und Leistung besser und trotzdem billiger. Und dennoch kaufen Sie irgendwann. Wie alle anderen auch.

Die Leute reden auch immer davon, dass dieses wirtschaften und der Konsum doch mal ein Ende haben müsse. Wachstum um jeden Preis ist schlecht für die Umwelt, man muss sich immer mehr ´abstrampeln´, etc. Schon mal darüber nachgedacht, dass dieses immer mehr arbeiten um sich immer weniger leisten zu können, vielleicht an der Inflation und nicht an der Deflation liegen könnte? Denn die Zinsen bzw. der Kaufkraftverlust muss ja ausgeglichen werden. Alleine daher ist schon klar, das Inflation für den Menschen das schlechtere Geldsystem im Vergleich zur Deflation darstellt. Jemand, der sich die Grafiken und Kurven der Geldmenge und der Kaufkraft ansieht, erkennt sehr schnell diesen Zusammenhang. Natürlich haben bei Preisen auch andere Faktoren ihren Einfluss. Wenn, wie zum Beispiel beim Gas, politisch gewollt natürlich eine Verknappung einsetzt, ist klar, bei gleichbleibender Nachfrage, dass die Preise steigen müssen. Dieses Szenario wäre auch in einem Deflationären Geldsystem natürlich zu beobachten, denn Angebot und Nachfrage ermitteln den Preis – immer. Egal ob in einem reglementierten oder unreglementierten Markt. Aber solange dieser nicht politisch monopolistisch beeinflusst ist, ist das auch kein Problem. Wenn jedoch natürlich noch politisch beeinflusst durch eine ‚unabhängige‘ Zentralbank die Geldmenge erweitert wird, belegt jeder Vergleich aus der Vergangenheit, dass unser inflationäres System Raub am Menschen ist.

Ein weiteres Beispiel stellt übrigens Bitcoin und viele weitere Kryptowährungen dar. Deren maximal mögliche Menge (maximum Supply) liegt im Jahr 2140 bei 21 Millionen Stücke. Und auch wenn der Preis (nicht der Wert!) oft stark schwankt und aktuell wieder fast 70% unter dem Höchstpreis liegt, so liegt er dennoch mehrere 1000% oberhalb dem ersten Kurs. Das ist auch eine Folge des Wertes. Spekulanten mal außen vor gelassen, richtet sich ein Preis immer nach seinem (Grenz-)Nutzen. Und die dezentrale und deflationäre (!) Eigenschaft des Bitcoins lassen den Wert (und damit den Preis) eben ansteigen. Die erste Preisfindung des Bitcoins lag bei 10.000 Bitcoins für zwei Pizzen. Heute wären die beiden Pizzen mit aktuell ca. 200.000.000 € schon etwas überteuert.

Deshalb die Frage: welches Geldsystem hättest Du lieber? Ein Inflationäres oder ein Deflationäres? Ein zentralistisches (monopolistisches) oder ein dezentrales, freies System?